44. Wie soll ich dich empfangen

1. Wie soll ich dich empfangen
Und wie begegn' ich dir?
O aller welt verlangen,
O meiner seelen zier!
O Jesu, Jesu, setze
Mir selbst die fackel bei,
Damit,was dich ergötze,
Mir kund und wissend sei.

2. Dein Zion streut dir palmen
Und grüne zweige hin,
Und ich will dir in psalmen
Ermuntern meinen sinn;
Mein herze soll dir grünen
In stetem lob und preis
Und deinem namen dienen,
So gut es kann und weiß.

3. Was hast du unterlassen
Zu meinem trost und freud',
Als leib und seele faßen
In ihrem größten leid?
Als mir das reich genommen,
Da fried' und freude lacht,
Da bist du, mein heil, kommen,
Und hast mich froh gemacht.

4. Ich lag in schweren banden,
Du kömmst und machst mich los;
Ich stund in spott und schanden,
Du kömmst und machst mich groß,
Und hebst mich hoch zu ehren,
Und schenktst mir großes gut,
Das sich nicht läßt verzehren,
Wie irgends reichthum thut.

5. Nichts, nichts hat dich getrieben
Zu mir vom himmelszelt,
Als das geliebte lieben,
Damit du alle welt
In ihren tausend plagen
Und großen jammerlast,
Die kein mund kann aussagen,
So fest umfangen hast.

6. Das schreib dir in dien herze,
Du hochbetrübtes heer,
Bei denen gram und schmerze
Sich häuft je mehr und mehr;
Seid unverzagt, ihr habet
Die hülfe vor der thür,
Der eure herzen labet
Und tröstet, steht allhier.

7. Ihr dürft euch nicht bemühen,
Noch sorgen tag und nacht,
Wie ihr ihn wollet ziehen,
Mit eures armes macht;
Er kömmt, er kömmt mit willen,
Ist voller lieb' und lust,
All' angst und noth zu stillen,
Die ihm an euch bewußt.

8. Auch dürft ihr nicht erschrecken
Für eurer sündenschuld,
Nein, Jesus will sie dencken,
Mit seiner lieb' und huld.
Er kömmt, er kömmt den sündern
Zu trost und wahrem heil,
Schafft, daß bei Gottes kindern
Verbleib' ihr erb' und theil.

9. Was fragt ihr nach dem schreien
Der feind' und ihrer tück?
Der Herr wird sie zerstreuen
In einem augenblick.
Er kömmt ein könig,
Dem wahrlich alle feind'
Auf erden viel zu wenig
Zum widerstande feind.

10. Er kömmt zum weltgerichte,
Zum fluch dem, der ihm flucht;
Mit gnad' und süßem lichte
Dem, der ihn liebt und sucht.
Ach komm, ach komm, o Sonne!
Und hol' uns allzuman
Zum ew'gen licht und wonne
In deinem freudensaal.

Text Information
First Line: Wie soll ich dich empfangen
Author: Paul Gerhard (1676)
Language: German
Publication Date: 1862
Topic: Advents-und Weihnachts-Lieder
Notes: Mel. Valet will ich dir geben. 53.
Tune Information
(No tune information)



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