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Harry Plantinga

181. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld

1 Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld
der Welt und ihrer Kinder;
es geht und büßet in Geduld
die Sünden aller Sünder.
Es geht dahin, wird matt und krank,
ergiebt sich auf die Würgebank,
entzieht sich aller Freuden,
es nimmt an sich Schmach, Hohn und Spott,
Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod
und spricht: Ich will's gern leiden.

2 Das Lämmlein ist der große Freund
und Heiland meiner Seelen,
den, den hat Gott zum Sündenfeind
und Söhner wollen wählen.
Geh hin, mein Kind, und nimm dich an
der Kinder, die ich ausgethan
zur Straf und Zornes Ruthen:
die Straf ist schwer, der Zorn ist groß,
du kanst und sollst sie machen los
durch Sterben und durch Bluten.

3 Ja, Vater, ja von Herzensgrund,
leg auf, ich will dir's tragen.
Mein Wollen hängt an deinem Mund,
mein Wirken ist dein Sagen.
O Wunderlieb! o Liebesmacht!
du kannst was nie ein Mensch gedacht,
Gott seinen Sohn abzwingen.
O Liebe! Liebe! du bist stark,
du streckest den ins Grab uns Sarg,
vor dem die Felsen springen.

4 Du marterst ihn am Kreuzesstamm
mit Nägeln und mit Spießen,
du schlachtest ihn als wie ein Lamm,
machst Herz und Adern fließen,
das Herze mit der Seufzer Kraft,
die Adern mit dem edlen Saft
des purpurrothen Blutes.
O süßes Lamm, was soll ich dir
erweisen dafür, daß du mir
erzeigest so viel Gutes.

5 Mein Lebetage will ich dich
aus meinem Sinn nicht lassen,
dich will ich stets, gleich wie du mich,
mit Liebesarmen fassen.
Du sollst sein meines Herzens Licht,
und wann mein Herz in Stücke bricht,
sollt du mein Herze bleiben.
Ich will mich dir, mein höchster Ruhm,
hiermit zu deinem Eigenthum
beständiglich verschreiben.

6 Ich will von deiner Lieblichkeit
bei Nacht und Tage singen,
mich selbst auch dir zu aller Zeit
zum Freudenopfer bringen.
Mein Bach des Lebens soll sich dir
und deinem Namen für und für
in Dankbarkeit ergießen;
und was du mir zu gut gethan,
das will ich stets, so tief ich kann,
in mein Gedächtniß schließen.

7 Erweitre dich, mein Herzens-schrein!
du sollst ein Schatzhaus werden
der Schätze, die viel größer sein
als Himmel, Meer und Erden.
Weg mit dem Gold Arabia,
weg Calmus, Myrrhen, Casia,
ich hab ein Bessers funden:
mein größer Schatz, Herr Jesu Christ,
ist dieses, was geflossen ist
aus deines Leibes Wunden.

8 Das soll und will ich mir zu Nutz
zu allen Zeiten machen
im Streite soll es sein mein Schutz,
in Traurigkeit mein Lachen,
in Fröhlichkeit mein Saitenspiel,
und wenn mir nichts mehr schmecken will,
soll mich dies manna speisen;
im Durst soll's sein mein Wasserquell,
in Einsamkeit mein Sprachgesell,
zu Haus und auch auf Reisen.

9 Was schadet mir des Todes Gift?
Dein Blut, das ist mein Leben,
Wann mich der Sonnen Hitze trifft,
so kanns mir's Schatten geben.
Setzt mir des Wehmuth Schmerzen zu,
so find ich bei dir meine Ruh,
als auf dem Bett ein Kranker;
Und wann des Kreuzes Ungestüm
mein Schifflein treibet um und um,
so bist du denn mein Anker.

10 Wann endlich ich soll treten ein
in deines Reiches Freuden,
so soll dies Blut mein Purpur sein,
ich will mich darein kleiden;
es soll seyn meines Hauptes Kron,
in welcher ich will vor den Thron
des höchsten Vaters gehen,
und dir, dem er mich anvertraut,
als eine wohlgeschmückte Braut,
an deiner Seite stehen.

Text Information
First Line: Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld
Author: Paul Gerhardt, 1606-1667
Language: German
Publication Date: 1872
Topic: Passionslieder; Passion Songs
Notes: Mel. An Wasserflüssen Babylon
Tune Information
(No tune information)



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