Kommt heut' an eurem Stabe

Kommt heut' an eurem Stabe

Author: Christian F.D. Schubart
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1 Kommt heut an eurem stabe,
Ihr halb erstorbene schon,
Und denket an dem grabe
An einen Simeon.

2 Er betet in dem Tempel
Hinauf zu seinem Gott,
Und wird uns ein Exempel
Von einem schönen tod.

3 Still flossen seine tage,
Still wie ein balsam fleußt:
Und hell, wie Sommertage,
So helle war sein geist.

4 Er soll den Tod nicht sehen,
Der gotterfüllte mann,
Bis er von jenen höhen
Den Mittler sehen kann.

5 Er sieht ihn! mit entzücken
Drückt er ihn an die Brust:
Es strahlt von Jesu blicken
Ihm Seligkeit und Luft.

6 Seht doch den frommen alten
Mit flammendem Gesicht
Die welten hände falten,
Und höret, was er spricht:

7 "Mit silbergrauen haaren
Kann ich im frieden nun
Zu meinen Vätern fahren,
Um sanst, wie sie, zu ruh'n:"

8 "Die fülle meiner Freuden,
Die hülfe aus den höhn,
Das licht der blinden heiden,
Den trost hab' ich gesehn."

9 Nun wird sein glaube größer,
Und sein entzücken steigt;
Er drücket den Erlöser
Fest an sein herz-- und schweigt.

10 Herr, soll ich alt an Jahren,
Gekrümmt von harm und noth,
Zu meinen Vätern Jahren:
So sterb' ich seinen Tod!

11 Zwar werd' ich Gott nicht sehen
Noch hier, wie Simeon;
Doch über jenen höhen
Erwartet er mich schon.

12 "Dann tönen meine lieder:
Heil mir! nun seh' ich ihn!"
"Die Himmel hallen wieder;
Heil dir! nun siehst du ihn!"

Source: Das Gemeinschaftliche Gesangbuch: zum gottesdienstlichen Gebrauch der Lutherischen und Reformirten Gemeinden in Nord-America. (1st.. Aufl) #68

Author: Christian F.D. Schubart

Schubart, Christian Friedrich Daniel, son of Johann Jakob Schubart, schoolmaster and assistant clergyman at Obersontheim near Hall, in Württemberg (after 1740, at Aalen), was born at Obersontheim, March 26, 1739, and in 1758 entered the University of Erlangen as a student of theology. Thereafter he was for some time a private tutor at Königsbronn. In 1764 he was appointed organist and schoolmaster at Geisslingen, near Ulm. In 1768 he became organist and music-director at Ludwigsburg; but, in 1772, on account of misconduct, he was deprived of his office. After that, he led for some time a wandering life, and then settled down in Ulm, where he edited a political newspaper, entitled the Deutsche Chronik, with success. By his scurrilous attac… Go to person page >

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