Mein Herz, ein Eisen grob und alt

Mein Herz, ein Eisen grob und alt

Author: Gerhard Tersteegen
Published in 2 hymnals

Representative Text

1 Mein Herz, ein Eisen grob und alt,
so hart so kalt, so ungestallt;
der Haus-Herr kan mich so nicht brauchen:
Die Liebe soll mein Feuer seyn;
durchs Bäten komm ich da hinein:
ich halte still, und laß es rauchen.

2 Bläs't dann der sanfte Liebes-Wind,
so wird das Herz in Lieb entzündt;
ich halte still, und laß es glüen:
des Eisens Schwärze muß vergehn,
es wird allmählich weich und schön;
so glüend man's heraus mag ziehen.

3 Der Sterbens-und Verläugnungs-Weg,
der Am boß ist, d'rauf ich mich leg;
da fängt der Meister an zu schlagen:
des Meisters Arm gibt Schlag auf Schlag,
das weiche Eisen giebet nach,
es läßt sich wenden, krümmen, plagen.

4 Es will sich doch nicht geben recht;
drum ruft der Meister einen Knecht,
der vorschlägt mit dem groben Hammer:
Der gute Freund und Helfers-Mann
gibt tapfre Schläg so gut er kan!
schlag zu! so komm ich aus dem Jammer.

5 Des Meisters Hand lenkts alles wohl,
das jener schlägt, da wo er soll,
und wie es zur Gestaltung nütze:
bald legt er's nieder in die Glut;
bald geht das Schmieden wieder gut;
die Schläge folgen auf die Hitze.

6 In Feuer schien das Eisen schön;
da dacht ich: Nun ist's bald gesceh'n;
indem ward Feu'r und Glanz entzogen:
Da war mein Eisen schwarz und kalt,
noch gar zu roh in der Gestalt;
da sah' mein Hoffen sich betrogen.

7 Am Feil-Brett innrer noth und pein
man schraubte mich so kalt hinein;
man klemte mich, um nicht zu weichen!
Man strich mit scharfer Feile kühn,
da flog so viel unnützes hin;
drauf mußte man's ins Feine streichen.

8 Mein Meister, du verstehst die kunst:
regier mich so, polier mich sonst;
werd ich nur endlich dir anständig,
doch hilft kein fein polierter Glanz;
nicht übernein, durchgüldet ganz
sey Herz und all's, und Feu'rbestandig.



Source: Die kleine Harfe: gestimmet von unterschiedlichen lieblichen liedern oder lob-gesängen #12

Author: Gerhard Tersteegen

Tersteegen, Gerhard, a pious and useful mystic of the eighteenth century, was born at Mörs, Germany, November 25, 1697. He was carefully educated in his childhood, and then apprenticed (1715) to his older brother, a shopkeeper. He was religiously inclined from his youth, and upon coming of age he secured a humble cottage near Mühlheim, where he led a life of seclusion and self-denial for many years. At about thirty years of age he began to exhort and preach in private and public gatherings. His influence became very great, such was his reputation for piety and his success in talking, preaching, and writing concerning spiritual religion. He wrote one hundred and eleven hymns, most of which appeared in his Spiritual Flower Garden (1731). He… Go to person page >

Text Information

First Line: Mein Herz, ein Eisen grob und alt
Author: Gerhard Tersteegen
Copyright: Public Domain

Timeline

Instances

Instances (1 - 2 of 2)

Die kleine geistliche Viole #d63

Text

Die kleine Harfe #12

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