O daß doch die faulen christen

O daß doch die faulen christen

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Representative Text

1 O daß doch die faulen christn,
Die so ohne sorgen gehn,
Einmal fragten ob sie wüßten,
Daß sie recht in gnaden stehn?
Euer denken
Wird euch kränken.
Eure hoffnung wird verschweinden,
Und sich ganz betrogen finden.

2 Was soll ungewisses denken?
Das vermuthen giebt nicht muth.
Laßt euch was gewisses schenken,
Das im sterben nöthig thut.
Todtes hoffen,
Schlect getroffen;
Die nicht mit gewißheit harren,
Werden ganz gewiß zu narren.

3 Im besit der erden güter
Sucht ihr so gewiß zu seyn.
O ihr thörigten gemühter!
Fällt euch denn kein kummer ein:
Wie wirds werden,
Wenn die heerden
Alle vor den richter gehen?
Werd ich da gawiß bestehen?

4 Steif und vest im herzen glauben,
Was dem worte widerspricht,
Das heißt Gott die ehre rauben!
Und uns selber hilft es nicht.
Blinde leute,
Laßt doch heute
Falschen trost vom herzen reissen.
Glaubt nicht, was Gott nicht verheissen.

5 Forschet nach, wie stebts im herzen?
Sucht, durchsucht den falschen grund.
Macht euch gleich die prüfung schmerzen;
Wird doch so die wahrheit kund.
Ist denn zweifel
Gleich vom teufel?
Nein, der herr steht vor den thüren;
Macht nur auf, ihn einzuführen.

6 Stanas hat das erlogen,
Daß man gar nicht zweifeln soll.
O wie viel sind so betrogen!
Darum wird die hölle voll.
Zweifel fühlen
Und nicht spielen,
Sondern sich und Jesus fragen,
Das heißt nicht an Gott verzagen.

7 An sich selbst soll man verzweifeln,
Das ist aus der schrift bekant;
Das errettet von den teufeln,
Und versetzt in Jesu hand.
Wo sich sünden Herrschend finden,
Muß man ja zuerst erkennen,
Man sey noch verdammt zu nenne.

8 Eigne frömmigkeiten lieben,
Und in guten werken ruhn,
Sich im falschen glauben üben,
Das kan nichts als schaden thun.
Drum erwachet! Was ihr machet,
Ist doch alles noch verloren,
Denn ihr seyd nicht neu geboren.

9 Falsch gewiß sind manche seelen,
Die gewiß verlohren gehn.
Ihre herzen sind noch höhlen,
Die im finstern teiche stehn;
Sata stärket (Weil ers merket,)
Ihren falschen trost und glauben.
Jesus kan ihn selbst nicht tauben.

10 Ach erschrecket und erzittert,
Menschen, die gefahr ist groß.
Gottes zorn und strafe wittert
Und ihr seyd so sorgenlos!
Welch ein schrekcn
Wird euch becken?
Wenn der trost, an dem ihr bleibet,
Euch einmal von Jesu treibet.

11 Geht doch und fallet nieder,
Bittert: Herr, erfosche mich!
Sucht das wort, durchsucht es wieder;
Prüft euch doch recht kümmerlich.
Laßt euch sagen,
Und zerschlagen,
Wenn euch Gott im herzen lehtet,
Daß ihr ihm nicht angehöret.

12 Wer sich selber also richtet,
Sein verderben recht erkennt,
Alles eigne thun zernichtet,
Und sich selbst verloren nennt:
Dessen schade
Wird durch gnade
Leicht und herrlich weggenommen;
Er wird zur gewißheit kommen.

13 Viele, die das joch zerrissen,
Denken es sey nicht andem,
Daß dir kinder Gottes wissen:
Sie seyn Jesu angenehm.
Manche hören
Neue lehrrn,
Wenn man zur gewißheit treibet,
Da es doch die bibel schreibet.

14 Denkt doch noch: wie wird es werden,
Wenn es nun zum sterben geht?
Wißt ihr es noch nicht auf erden,
Wies um eure seele steht:
Welch ein zagen
Wird euch plagen,
Wenn der geist von hinne reiset!

15 Oder sterbt ihr ohne kummer,
Und verskinkt in ew'ger nacht;
Wie wenn ihr aus eurem schlummer
Nach dem tode nun erwacht?
O wie heftig
Und wie kräftig
Wird euch euer irrthum schrecken,
Und ein ew'ges weh erwecken.

16 Aber denkt: wie voller freuden
Muß ein herz im tode seyn?
Wenn es weiß: durch Jesu leiden
ist gewiß der himmel mein;
Wenns auf erden,
Best zu werden,
Recht mit ganzem ernst getrachtet,
Und nun nicht im zweifel schmachtet.

17 Welch ein angenehmes sterben!
Wenn man sterbend sagen kan;
Nein, mich kan kein tod verderben;
Jesus nahm mich sünder an.
Ja, mein siegel
Macht mir flugel,
Mich in Gottes herz zu schwingen,
Und ihm sterbend lob zu singen.

18 Wenn aus wort und Geist bezeugen,
Daß wir Gottes kinder sind;
Da muß wohl der zweifel schweigen,
Und das blöde glaubenskind
Kan nun weiden,
Und mit freuden
Alles was die schrift verheissen,
Frey und frölich zu sich reissen.

19 Nun so sey doch sehr gebeten,
Sünder, der du dieses hörst:
Eile, zu dem thron zu treten,
Dem du jetzt den rücken kehrst.
Was dir fehlet,
Was dich quälet,
Will der Herr mit freuden höten,
Ja, dich segnen und bekehren.

20 O wie wartet dein erbarmer,
Mensch, auf deine seligkeit!
Komm doch, ruft er, Komm, du armer!
Und verlaß die sicherheit.
Die da träumen
Und versäumen,
Ihre seele zu erretten,
Bleiben ewig in den ketten.



Source: Erbauliche Lieder-Sammlung: zum gottestdienstlichen Gebrauch in den Vereinigten Evangelische-Lutherischen Gemeinen in Pennsylvanien und den benachbarten Staaten (Die Achte verm. ... Aufl.) #231

Text Information

First Line: O daß doch die faulen christen
Language: German
Copyright: Public Domain

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Evangelische Lieder-Sammlung #d258

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