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289. Herr, du stellst mit deinen willen

1 Herr, du stellst mir deinen willen
In den zehn geboten für.
Diesen möglichst zu erfüllen,
Würke nun dein Geist in mir;
Daß ich das gebotne fasse,
Und auch das verbotne lasse.

2 Laß mich dich allein verehren,
Du bist Gott, und keiner mehr,
Welchem lieb und furcht gebören.
Gib, daß ich auf nichts so sehr,
Als auf deine huld vetraue,
Und mir keinen abgott baue.

3 Deinen namen laß mich greisen
Mit dem munde, mit er that,
Durch gebet und dank erweisen,
Wie man ihn zu ehren hat.
Fluchen, schwören, zaubereyen,
Laß mich, Herr, mit ernste scheuen.

4 Deinen tag recht zu begehen
Heilige mir herz und sinn.
Laß dein wort mich recht verstehen,
Und wenn ich ein hörer bin,
Hilf damit ich mich befleisse,
Daß ich auch ein thäter heisse.

5 Gib, daß ich die eitern liebe,
Auch die statt der eltern sind,
Und mich in gehorsam übe,
Daß ich auch den segen find,
Und denselben nicht verscherze
Durch ein widerspenstig herze.

6 Zort und mißgunst, hassen, neiden,
Eig'ne rache, zank und streit
Lasse mich beständig meiden,
Auch die unversöhnlichkeit,
Daß mich keine laster stürzen,
Die das leben mir verkürzen.

7 Schenke mir ein keusches herze
Und vewahr durch deinen Giest
Meinen mund vor geilem scherze,
Weil mein leib dein temple heißt;
Laß mich ihn auch selber ehren,
Nicht durch fleisches-lust zerstören.

8 Hast du mir mein theil bescheiden,
Laß mich auch dabey beruhn,
Und viel lieber unrecht leiden,
Als jemanden unrecht thun,
Daß ich schlecht und recht hier wandle
Mir dem nächsten redlich handle.

9 Laß mich alle falschheit meiden,
Und ein feind der l¨gen seyn,
Meinen nächsten nicht beneiden,
Noch mich seines falles freun;
Gib daß ich die wahrheit liebe,
Und in redlichkeit mich übe.

10 Ist mein herz voll böser tücke,
Reitt mich angerbte lust,
Hilf, daß ich sie unterdrücke,
Und des alten Adams wust,
Den ich in dem fleische finde,
Täglich tödt und überwinde.

11 Die begierden zu bezähmen,
Gib mir deines Geistes kraft,
Laß mich wohl zu herzen nehmen,
Was mir dein gesetze schaft,
Daß ich auch nicht was begehre,
Was dir, Herr, zuwider wäre.

12 Nun du hast mir fluch und segen,
Tod und leben vorgestellt,
Laß mich alles wohl erwegen,
Daß die wahl aufs beste fällt,
Und ich deinem zorn entgehe;
Stets in deiner gnade stehe.

Text Information
First Line: Herr, du stellst mit deinen willen
Language: German
Publication Date: 1826
Topic: Vom Christlichen Leben and Wandel; Christian Life and Change
Notes: Mel. Herr ich habe misge.
Tune Information
(No tune information)



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