Herzliebster Jesu, du hast nichts verbrochen

Herzliebster Jesu, du hast nichts verbrochen

Author: Johann Heermann
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Representative Text

1 Herzliebster Jesu! du hast nichts verbrochen,
Doch wird das todesurtheil dir gesprochen,
Als wenn du in die größten Missetaten
Wärest geraten.

2 Du wirst gegeisselt und zur Schmach gekrönet,
Ins angesicht geschlagen und verhöhnet,
Mit Essig und mit gallenfrank getränket,
Ans kreuz gehenket,

3 Was ist die urzach' dieser deiner plagen?
Ach, unsre Sünden haben dich geschlagen!
Wir, grosser Mittler, haben das verschuldet,
Was du erduldet!

4 Wie wundernswürdig ist doch diese strafe!
Der gute Hirte leidet für doe schaafe;
Die schuld bezahlt der Mittler, der gerechte,
Für seine knechte.

5 Der fromme stirbt, der recht und richtig wandelt;
Der böse lebt, der wider Gott misshandelt.
Die strafe, der der schuldige entgangen,
Hat ihn umfangen.

6 Ach, unsre seele war befleckt mit sünden,
An uns Verbrechern war nichts gut's zu finden;
Das hätten wir, von Gott verworfen, müssen
Auf ewig büssen.

7 O grosse liebe, niemals auszusprechen!
Du willst, an dir soll es der Höchste rächen!
Wir lebten sicher in den sündenfreuden,
Und du willst leiden!

8 Ach, Mittler, der für und dahin gegeben,
Mit welchem lobe soll man dich erheben?
Kein sterblicher vermag es auszudenken,
Was dir zu schenken!

9 Ich kanns mit meinen sinnen nicht erreichen,
Womit doch dein erbarmen zu vergleichen;
Noch weniger dir deine liebesthaten
Im werk erstatten.

10 Doch willst du das für that'gen dank annehmen,
Wenn wir die südlichen Begierden zähmen,
Damit sie nicht das herz aufs neu entzünden
Zu alten Sünden.

11 Weil aber dies nicht steht in eignen Kräften,
Fest die Begierden an das kreuz zu heften;
So gieb uns deinen geist, der uns regiere,
Zum guten führe.

12 Dan werde ich, Herr, dein verdienst betrachten,
Gerührt von lieb' und dank nur darauf achten,
Wie ich, im Thun und leiden, deinen willen
Stets mög' erfüllen.

13 Ich werde dir zu ehren alles wagen,
Und kein kreuz scheuen, keine Schmach, noch plagen:
Mich wird auch Spott, Verfolgung, Tod und leiden
Nie von dir scheiden.

14 Dies alles ist zwar Pflicht und sehr geringe,
Was ich dir jezt für deine liebe bringe;
Doch wird dein Auge huldreich mich ansehen,
Nicht ganz verschmähen.

15 Wenn, o Herr Jesu! dort vor deinem throne
Mich schmückt der überwindet Ehrenkrone,
Da werd' ich dir besser Opfer bringen,
Stets dank dir singen.

Source: Das Gemeinschaftliche Gesangbuch: zum gottesdienstlichen Gebrauch der Lutherischen und Reformirten Gemeinden in Nord-America. (1st.. Aufl) #83

Author: Johann Heermann

Johann Heermann's (b. Raudten, Silesia, Austria, 1585; d. Lissa, Posen [now Poland], 1647) own suffering and family tragedy led him to meditate on Christ's undeserved suffering. The only surviving child of a poor furrier and his wife, Heermann fulfilled his mother's vow at his birth that, if he lived, he would become a pastor. Initially a teacher, Heermann became a minister in the Lutheran Church in Koben in 1611 but had to stop preaching in 1634 due to a severe throat infection. He retired in 1638. Much of his ministry took place during the Thirty Years' War. At times he had to flee for his life and on several occasions lost all his possessions. Although Heermann wrote many of his hymns and poems during these devastating times, his persona… Go to person page >

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Das Gemeinschaftliche Gesangbuch #83

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