So mercket auf ihr Christenleut

So mercket auf ihr Christenleut

Published in 2 hymnals

Full Text

1 So merket auf ihr Chrstenleut
Uns sagt die Schriftt, wie auf ein Zeit
Ein König sey gewesen.
Es ist furwahr kein Fantasey,
Von seiner grossen Tyraney,
Wie ich das hab gelesen.
Antiochus der König hieß:
All's übels thät er pflegen.
Viel Juden er umbringen ließ
Von ihrer Satzung wegen.
Gar jammerlich er sie erwordt.
Kein Boßheit war ihm je zu viel,
Als ihr werdet hören fort.

2 Er schallt in seinem gantzen Land,
Und wo er einen Juden fand,
Der sich nicht wolt bekerhen
Von seiner Satzung und Gebott,
Und was ihn'n geben war von Gott,
Den peinigt er so fehre.
Ein frominer Jud darunter was,
Eleazar mit Namen,
Der dienet Gott ohn unterlaß,
Und thät sich des nicht shamen
Darum der König zörnet härt,
Den Juden er gefangen legt,
Ihm auch nicht lang das leben spart.

3 Als es mit dem vollendet was,
So merket nun noch mehr vorbaß,
Wie es ist weiter gangen:
Ein Jüdisch Weib war unter ihn'n,
Ein Mutter die hatt sieben Söhn,
Die waren auch gefangen,
Der König auf sie trang mit Noth,
Das Schweinenfleisch zu essen
Wider ihr Satzung und Gebott,
Und thät sich viel vermessen:
Welch's ihn'n von Gott verbotten was
Das hileten sie ganz fleißiglich,
Kein Jud dasselbig aß.

4 Sie triben mit ihn'n ihr Gespött,
Der König selbst mit ihnen redt,
Thät ihnen also sagen:
Wer Schweinenfleisch nicht eesen thät,
Den wolt er an derselben Stätt.
Mit Riemen lassen schalgen.
Einer aus ihn'n insonderheit
Gar dapfferlich thät sprechen:
Zu sterben sind wir all bereit,
Eh' daß wir wollen brechen
Daß gesetz von unsern Eltern her,
Welch's sie von Gott empfangen hond,
Zu einer Weiß und lehr.

5 Als er nun redt diß scharffe Wort,
Und da der König das erhort,
Bewegt er sich von Hertzen,
Mit grossem Grimm er von ihn'n ging,
Sehr grossen Unmuth drob empfing,
Und kümmerlichen Schmertzen:
Schöpfft einen grossen Neid und Haß
Geg'n diensen Jüngling frommen,
Als er ihm nicht gehorsam was,
Bald hat er vorgenommen,
Ein böse List er ihm erfund,
Was Todts er ihn umbringen wolt,
Gleich zu dersleben Stund.

6 Des Kön'gs Befehl man bald nachkam,
Daß man häsen und Pfannen nam,
Und hieß sie glünd machen.
Solch's thät er ihnen als drumm,
Daß sie waren gerecht, und fromm,
Und Gott's Gesetz nicht brachen,
Als dieses gar berietet war,
Wie ihnen ward bebotten,
Da brachten sie den ersten dar,
Und fingen an zu spotten.
Daß thäten sie ihn'n um Unschuld,
Die grosse Pein die man ihn'n thät,
Litten sie alle mit Gedult.

7 Der König ihn'n gebotten hätt,
Zur ersten Straff so ihn'n thät,
Solt man die Zung abschneiden,
Kein Gnad er gar bey ihnen fund,
Darnach man ihn die Haut abschund,
Noch mehr mußt er da leiden,
Dabey ers noch nicht bleiben ließ
Daß er ihn hat geschunden,
Huß ihm abhauen Händ und Füß,
Daß g'schach zu einer Stunden.
Noch hielt er steif an dem Gebott,
In allem Leiden das er hat,
Hofft er auf seinen Gott.

8 Die dritte Straff er ihm anthut,
Ein Pfann setzt man ihm auf ien gluth,
Und ließ ihn darin'n rösten.
Als er war in der grosen Pein,
Die Mutter und die Brüder sein
Ihn singen an zu trösten,
Daß er in Gott's Gesetz und Lehr
Beständig solte bleiben.
Ihdem führt man den andein het,
Den Spott mit ihm zu triben.
Erstlich ward er von ihn'n gefragt,
Ob er das Schweinfleisch essen wolt,
Eh' daß er würd geplagt.

9 Er sprach, Das woll Gott nimmermehr.
Deß war er auch gepeinigt sehr,
Gleich wie der erst erlitten,
Als er war in der grossen Noth,
Und überwandt den bittern tod,
Da ging es an den dritten,
Die Zung man ihm auch bald abschnit,
Und tröstet ihn besonder
Noch achter er diß alles nicht,
Das nam den König wunder,
Und eine jeden der ihn sach.
Als er war in der letzten Noht,
Hört wie in zu ihm sprach.

10 Das hab ich all's von meinem Gott
Für seine Satzung und Gebott
Will ich diß alles leiden.
Auch reut mich weder Gut noch Geld,
All's was ich hab in dieer Welt,
Will ich zwar gerne meiden.
Ob ich schon jetzt in Leyd und Klag
Verlier mein Leib und Leben,
Wird mir doch Gott am jüngsten Tag
Das alles wieder geben.
Sein Hoffnung da blieb unzertrent,
Als er die Wort mit ihnen redt,
Nam er ein seligs End.

11 Also der dritt' geendet hätt.
Dem vierten man auch also thät,
Er starb gar ritterlichen.
Der fünfft und sechst mußt auch darn,
Gar mannlich thäten sie bestahn,
Ihr glaub blieb unverblichen.
Dißs all's in einer Stund geschach
Als wir geschrieben finden.
Die Mutter stuhnd dabey und sach,
An ihren eignen Kinden
Die jämmerliche Pein so schwär,
Gar nah demselben Weibelein
Das Hertz zeibrochen wär.

12 Sie tröst jeden in sonderheit,
Daß er sey willig und bereit
Vor Gottes Ehr zu sterben,
Auch vor seine Gebott und G'satz,
Wir haben ein'n verborgnen Schatz,
Der mag uns nicht verderben:
Ob euch schon hie Gewalt geschicht,
So laßt euch doch nicht schrecken.
Dann Gott wird uns am jüngsten G'richt
Allsammen aufferwecken:
Und wird uns geben Seel un Leib,
Daran ich keinen Zweiffel trag,
Sprach das gott'sförchting Weib.

13 Solches, und dergleichen mehr,
Darzu viel schöner Weiß und lehr
Thät sie ihn allen geben:
Die siebend war ein junger Knab,
Den wolt der König mahnen ab,
Das er behielt sein Leben:
Verhieß ihm grosses Gut und Gold,
Wolt ihn gar hoch begaben,
Wenn er sich jetzt bekehren wolt,
Un stehn von seinem Glauben,
Ja all's was er von ihm begehrt,
Schwur er ihm theur mit einem Eyd,
Deß solt er fern gewährt.

14 Das hielt er all's vor ein Gespött,
Hört wie er mit dem König redt,
Der Jüngling also tüdne;
O König hör die Antwort mein.
IEin schwere Straff und grosse Pein,
Wirst du an un verdienen.
Dann Gottes Urtheil und Gericht
Wirst du zwar nicht entrinnen.
Die Boßheit er nicht übersicht,
Das wirst du werden innen.
Darum er dich dann straffen wird,
Weil du mch und di Brüder mein
So schändlich hast ermördt.

15 Als er ihm diese Antwort gab,
Erzörnet er gar sehr darob,
Und thät ihm nicht gefallen.
Daführen sie ihn auch dahin,
Gantz jämmerlich sie plagten ihn,
Ja härter dann sie alle.
Auff Gott setzt er sein Hoffnung fest,
Damit scied er von hinnen.
Die Mutter thät man auch zuletzt
Gar jämmerlich umbringen.
Selb achten ward sie hingericht
Allein von wegen ihres G'setz,
Also beschließ ich die Geschicht.

Amen.

Source: Ausbund, das ist Etliche Schöne Christliche Lieder wie sie in dem Gefängnüss zu Bassau in dem Schloß von den Schweitzer-Brüdern, und von anderen rechtgläubigen Christen hin und her gedichtet worden... #4

Text Information

First Line: So mercket auf ihr Christenleut

Timeline




Advertisements