Was soll ich tun, Ach Herr

Was soll ich tun, Ach Herr

Author: Ernst Gottlieb Woltersdorf
Published in 3 hymnals

Representative Text

1 Was soll ich thun? Ach Herr! was fang ich an?
Mein herz ist aufgewacht.
Nun seh ich wohl, daß ich nicht bleiben kan,
Bis Gott mich selig macht.
Ich dachte nicht an meine sünde,
Die ich doch nun mit angst empfinde.
Was soll ich thun?

2 Was soll ich thun? Ich kan nicht ruhig seyn.
Ich bin noch unbekehrt.
Mein herz ist tod. Mein wandel ist nicht rein.
Die welt hat mich bethört;
Mien glaube hat mich selbst berrogen,
Und mein gebet hat Gott gelogen.
Was soll ich thun?

3 Was soll ich thun? Mit seblt die seligkeit.
Ich bein gewiß vergammt;
Dem sünden-dienst ist ew'ger stuch bereit;
Die racht Gottes flammt,
Und meine selbstgerichtigkeiten
Verlassen mich auf allen siten.
Was soll ich thun?

4 Was soll ich thun? Der falsche trost ist hin:
Die träume sind vorbey.
Nun seh ich wohl, daß dem erweckten sinn
Gewißheit nöthig sey.
Bey ungewissem tod, ten bossen
Steht mir der höllen rachen offen.
Was soll ich thun?

5 Was soll ich thun? Getrost und sicher seyn?
Mit lust verloren gehn?
Nein das gefällt den rasenden allein,
Die nichts von Gott verstehn.
Das selig werden ist die sache,
Die ich nicht mehr, wie sonst, verlache.
Was soll ich thun?

6 Was soll ich thun? Der jammer dringt mein herz.
Ich frage tag und nacht;
Du, kind der welt, gedenkst bey meinem schmerz,
Ich sey verwirrt gemacht.
O nein! ich weiß wohl, was mich naget,
Warum mein herz so ängstilich fraget;
Was soll ich thun?

7 Was soll ich thun? So lange frag ich noch,
Bis daß ichs gründlich weiß.
Währts noch so lang; ich such und frage doch
Mit unverrücktem fleiß:
Denn sonst behielt ich meine lasten.
So könnt ich ewig nimmer rasten.
Was soll ich thun?

8 Was soll ich thun? Ich habe gnug gerhan,
Das mich auf ewig reut.
O daß ich nichts davon vergüten kan!
O der verfloßnen zeit!
Wo seyd ihr, ihr verlornen tage?
Ihr macht, daß ich mit thränen frage:
Was soll ich thun.

9 Was soll ich thun? Was ich bisher gemacht,
Das gebt nun nicht mehr an.
Mein herz hat nichts, als böses, vorgebracht
Weil ich nichts anders kan.
Das heuchlen will nun auch nicht taugen.
Denn Gott hat helle flammen-augen.
Was soll ich thun?

10 Was soll ich thun? Was denkt und thur die welt?
Ach Gott, so geht es nicht,
Denn was sie liebt, wss allen wohlgefällt,
Das haßt dein heilges licht.
Die mit der welt nach laufen können,
Die werden mit ihr ewig brennen.
Was soll ich thun?

11 Was soll ich thun? Das herz mit fließ zerstreun,
Zu lustgen brüdern gehn?
Ach mein, da wird für mich nicht ruhe seyn.
Bleibt immer ferne stehn,
Ihr troster, die man leidig heiffet,
Weil ihr mir tiefre wunden reiffet.
Was soll ich thun?

12 Was soll ich thun? Der eine sagt mir diß,
Der andre lehrt mich das.
Wem folg ich hier? mein herz bleibt ungewiß
Und fragt noch immer:
Was? Ich kan wohl hundert wege zählen.
Sagt, welchen soll ich denn er wählen?
Was soll ich thun?

13 Was soll ich thun? Mein Gott, wo soll ich hin?
Ich weiß mir keinen rath.
Wenn nicht dein wort für den beklemmten sinn
Noch rath und retrung hat,
So weiß ich deinen weg zu finden,
So sterb ich noch in meinen sünden?
Was soll ich thun?

14 Was soll ich thun? Ich bin erschreklich blind,
Und dachte klug zu seyn.
Nun weiß ich kaum so viel, als manches kind.
Die finsterniß ist mein.
Vom Meister hab ich nicht gelernet.
Ich bin von Jesu weit entfernet.
Was soll ich thun.

15 Was soll ich thun? Ach Gott, ich weiß es nicht.
Hier hilft mir kein verstand;
Und ist mir gleich, was man von Jesu spricht,
Nicht gänzlich unbekant,
So kan ich doch den weg nicht finden.
Erkenntniß, licht und muth verschwinden.
Was soll ich thun?

16 Was soll ich thun? Wo mich dein Geist nicht lehrt,
So bleib ich ewig blind.
Wo er mir nicht die worte selbst erklüart,
Die deine worte sind;
So belib ich in der thorheit stecken.
Ach laß mir doch sein licht entdecken;
Was mir zu thun?

17 Was soll ich thun? Dein wort eröffnet mir
Die buß-und glaubens-bahn.
Dis ist der weg. Auf dem kommt man zu dir,
Und trift das leben an.
Die eigne beßtrung unsers lebens
Hilft nichts zum heil.
Man fragt vergebens:
Was soll ich thun.

18 Was soll ich thun? Ich kan ja lieder nichts
Aus meiner eingne kraft.
Herr, gönne mir den Giest der kraft, des lichts,
Der alles in mir schaft.
Mein Giest is in mir selbst zerschlagen.
Ich muß von ganzem herzen sagen:
Ich kan nichst thun.

19 Was soll ich thun? Gott lob, nun merk ich schon.
Es kommt aufs thun nicht an.
Der töpfer nimt mit seiner hand den thon
Der sich nicht bliden kan;
Und macht ihn zum gefäß der ehren.
So will der Herr mich selbst bekehren.
Ich soll nichts thun.

20 Was soll ich thun? Verderben kan ich wohl.
Das bessern glückt mir nicht.
Bersprech ich es; so wird die lüge voll,
Weil mir die kraft gebricth.
hinweg ihr selbstgewürkte sachen,
Ich lasse Jesum alles machen.
Ich kan nichts thun.

21 Was soll ich thun? Nur ganz gelassen seyn,
Und Jesu offen stehn.
Der freund klopft an: so laß cih ihn hinein,
Mein ganzes herz zu sehn.
Das sey ihm völlig übergeben.
Er tilge nur mein widerstreben.
Ich kan nichts thun.

22 Was soll ich thun? Ich rufe Jesum an,
Wie et mich selber lehrt.
Ich weiß, daß er mir helfen will und kan,
Und meine stimme hört.
Wohlan, so will ich zu ihm treten.
Sein Geist erwecket mich zum beten.
Ich kan nichts thun.

23 Was soll ich thun? Die mittel brauch ich gern,
Die Jesus mir geschenkt,
Sein theures hort, Die stimme meines Herrn,
Die mich erwekct und lenkt,
Sein sacrament ist voller segen.
Er muß mich aber selbst bewegen,
ich kan nichts thun.

24 Was soll ich thun? Herr, wirke du in mir
Die selge traurigkeit,
Da man die schuld, dir sünden shculd von dir
Beweinet und bereut.
Die armuth laß mich recht empfinden.
Zernischt mich durch meine sünden.
Ich kan nichts thun.

25 Was soll ich thun? Die werke geiten nicht.
Mein thun verdient den tod.
Mein würdigseyn verschuldet das gericht.
Was bring ich denn for Gott?
An dich, Herr Jesu, will ich glauben,
Und mit gewalt den himmel tauben.
Das will ich thun.

26 Was soll ich thun? Du, mein Immanuel,
Has gnug für mich gethan.
In deinem blut wasch ich die kleidet hell.
Dich selber zieh ich an.
Du trugest des gesetzes lasten.
In werken kan kein sünder rasten.
Er kan nichts thun.

27 Was soll ich thun? Mien heil, ich fasse dich
Mit aller glaubenskraft,
Bis daß dein geist in deinem blut für mich
Gewisse rettung schaft,
Bis daß er mir versichrung schenket,
Und durch dein wort die furcht versenket.
so kan ich ruhn.

28 Was soll ich thun, Wenn mich des Lammes blut
Aus gnaden selig macht?
Ich freue mcih. Mein herz ist wohlgemuth.
Es singet, jauchzt und lact.
Mein Heiland, ich will hier und droben
Dein thun und leiden ewig loben.
Das will ich thun.

29 Was soll ich thun? Die gnade stärket mich.
Ich fühle Gottes kraft.
Sie treibt mich an.
Sie führt mich mütterlich,
Und was sie selber schaft,
Das nennt sie gnädig meine werke.
Wohl mir! ich will in dieser stärke
Noch alles thun.

30 Was soll ich thun? Was Gott an mir gerhan,
Das thu ich andern auch.
Die liebe bleibt auf Christi lebens-bahn
Der allgemeine brauch.
Wie selig hin ich schon auf erden!
Was wird im pardise werden!
Da will ich ruhn.

Source: Erbauliche Lieder-Sammlung: zum gottestdienstlichen Gebrauch in den Vereinigten Evangelische-Lutherischen Gemeinen in Pennsylvanien und den benachbarten Staaten (Die Achte verm. ... Aufl.) #166

Author: Ernst Gottlieb Woltersdorf

Woltersdorf: Ernst Gottlieb W., as a hymn writer, preacher, prolific writer and educators in the field of Erbauungslitteratur one of the most outstanding representatives of pietistic healthy heart and mind towards the middle of the 18th Century. He was born on 31 May 1725 as the sixth son of the preacher to Gabriel Luke Friedrichsfelde in Berlin, who was appointed 10 years after its birth as a preacher at the St. George Church in Berlin. The blessing of a serious Christian education accompanied him to the Berlin High School to the gray convent, from which he received in 1742, only 17 years old, the University of Halle, to be under the direction of the pietistic school teachers belonging to J. Lange, Michael, Baumgarten and Knapp to pay the… Go to person page >

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