Wie lang hab ich, o Hoechster Gott

Wie lang hab ich, o Hoechster Gott

Author: Johann Heermann
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1. Wie lang' hab' ich, o höchster Gott!
Getragen meine last und noth;
Wie lange schreit doch für und für
Mein hochbetrübter muth zu dir.

2. Und doch hab' ich kein' hülf' von dir
Erlangt, das kreuz wird schwerer mir,
Es nimmt von stund' zu stunden zu,
Läßt weder tag noch nacht mir ruh'.

3. Oftmals hab' ich bei mir gedacht:
Ein harter stein wird hohl gemacht,
Durch regentröpflein, die so klein:
Dein herz will fast noch härter sein.

4. Mein thränenwasser sich ergeußt,
Und über meine wangen fleußt,
Fällt auf dein herz gar mildiglich;
Dennoch läßt's nicht erweichen sich.

5. Ach Gott! du brunnquell voller gnad',
Deß lieb' und treu' kein ende hat!
Laß übertröpfeln doch dein herz.
Erbarmung trag' mit meinem schmerz.

6. Willt du mich nicht gar machen los
Von meinem kreuz, das schwer und groß;
So lindre mir doch solche plag',
Daß ich sie nur ertragen mag.

7. Das wirst du thun zu rechter zeit;
Gib nur geduld, daß ich im leid
Ausdauren mög', wie sich's gebührt,
Und nicht durch wehmuth werd' verführt.

8. Ich weiß, daß du mitleidig seist,
Ja, daß du ein Erbarmer heißt;
Darum, o Gott! laß ferne sein,
Daß du wollt'st härter sein, als stein.

9. Will dich mein elend jammern nicht,
Wer ist sonst, der mir trost zuspricht?
Und wird es je gleich auch gethan,
Seh' ich doch nicht, wer helfen kann.

10. Du aber kannst gewaltiglich
Aus aller noth erretten mich;
Kein unglück ist so groß erhört,
Wenn du gebeutst, so muß es fort.

11. Gesündigt hab' ich oft und viel;
Wer ist, der mit dir rechten will?
Doch, weil du gnad' hast zugesagt;
So sei es auf dein wort gewagt.

12. Ich traue dir, ich ruf' und schrei',
Bis ich des schmerzens werde frei,
Der mich noch drückt so hart und sehr;
Dein wort kann trügen nimmermehr.

13. Wenn gleich die ganze welt vergeht,
Doch fest und unbeweglich steht,
Was mir, o Gott! dein wort verspricht;
Dein' hülfe bleibet außen nicht.

14. Ich will alsdenn mit lust und freud',
Nach ausgestandner traurigkeit,
Hoch preisen deine hülf' und gnad',
Die mich niemals verlassen hat.

Source: Kirchen-Gesangbuch: für Evangelisch-Lutherische Gemeinden #384

Author: Johann Heermann

Heermann, Johann, son of Johannes Heermann, furrier at Baudten, near Wohlau, Silesia, was born at Baudten, Oct. 11, 1585. He was the fifth but only surviving child of his parents, and during a severe illness in his childhood his mother vowed that if he recovered she would educate him for the ministry, even though she had to beg the necessary money. He passed through the schools at Wohlau; at Fraustadt (where he lived in the house of Valerius Herberger, q. v., who took a great interest in him); the St. Elizabeth gymnasium at Breslau; and the gymnasium at Brieg. At Easter, 1609, he accompanied two young noblemen (sons of Baron Wenzel von Rothkirch), to whom he had been tutor at Brieg, to the University of Strassburg; but an affection of the e… Go to person page >

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