97. Ich bin im Himmel angeschrieben

1 Ich bin im Himmel angeschrieben
und Gottes Kindern zugezählt;
mich hatte schon sein brünstig Lieben
von Ewigkeit dazu erwählt.
Nun ruhe ich in seine Armen;
mein Vater blicht mich freundlich an.
Ich weiß von nichts als von Erbarmen,
dadurch ich ihm gefallen kann.

2 Das danke ich dem guten Hirten,
so selig hat er mich gewacht.
Mit Schmerzen sucht er mich Verirrten
und gab auf meine Wege Acht.
Komm, Schäflein! hieß es kehre wieder!
Ich hörte es und kehrte um,
warf mich mit Thränen vor ihm nieder
und gab mich ihm zum Eigenthum.

3 Wie war ich ihm so sehr willkommen,
wie freute sich sein Hirtenherz!
Wie zärtlich ward ich mein Seelenschmerz!
Er wusch mich rein, verband die Wunden
und legte mich ins Vaters Schooß.
Da hieß es: Du hast Gnade funden,
du bist von Schuld und Strafe los.

4 Das waren die Erquickungs-zeiten
die Tage längst gewünschter Ruh;
da floß ein Strom der Seligkeiten
mir aus des Mittlers Wunden zu.
Der Vater hies mich Kind und Erde.
Der Sohn sprach: Du bist mir vertraut.
O! rief ich, wenn ich jetzo sterbe,
so sterbe ich als Christi Braut.

5 Nun bin ich noch bei ihm in Gnaden,
nichts raubt mir meines Jesu Huld;
mein Elend kann mir selbst nicht schaden,
denn er hat götlliche Geduld.
Je mehr ich meine Ohnmacht lebe,
je mehr wird mir die Gnade groß,
und wenn ich dann nur brünstig flehe,
so wird mein Herz des Kummers los.

6 So geht es hier durch tiefe Wege
nach jenen Zions höhen zu:
und nur auf diesem schmalen Stege
gelange ich zur Sabbaths-ruh.
Dann soll man in den obern Chören
mein Loblied bis in Ewigkeit
aus dem verklärten Munde hören.
Herr, mache mich dazu bereit.

Text Information
First Line: Ich bin im Himmel angeschrieben
Publication Date: 1872
Topic: Sünde und Erlösung; Sin and Salvation
Language: German
Notes: Mel. Die Tugend wird durchs.
Tune Information
(No tune information)



Suggestions or corrections? Contact us



Advertisements