180. Herr Gott, der du erforschest mich

1 Herr Gott, der du erforschest mich,
Und kennst mich aus und innen,
Mein thun und lassen kommt vor dich,
Gehn, stehen und beginnen:
Was ich im bette denk und richt,
Siehst du von fern und fehlest nicht,
Du prüfest herz und nieren.
Du kanst, auch, wenn ich bin allein,
Und gerne wolt verborgen seyn,
Alle meine weg ausspüren.

2 Es ist kein wort in meinem mund,
So ich dir könt' verhelen,
Du, Herr, siehst recht des herzens grund,
Was steckt in meiner seelen.
Du schaffest ja, ws ich vollbring,
Wie groß es ist, und wie gering,
Ich kans ohn dich nicht richten;
Wenn aber du durch deine gnad
Verstand mir giebst, Auch hülf und rath,
So kan ich alles schlichten.

3 Wie du die deinen wunderlich,
O Gott! hier pflegst zu führen1
Versteh ich nicht, und lasse mich
Bloß deine gnad regieren:
Wo soll ich hin vor deinem Geist?
Weil du auch die gedanken weißt
So hilft vor dir kein fliehen.
Führ ich gen himmel, bist du da;
Auch in die höll tritst du mir nah,
Kan dir mich nicht entziehen.

4 Nun, grosser Gott, weil deine hand
Mich überall kan finden,
Und all mein thun dir ist bekant,
So hüt ich mich vor sünden:
Denn finster ist wie licht bey dir,
Was heimlich war, kömmt klar herfür,
Ich kan dir nicht entgehen.
Was ich gethan, geredt, gedacht,
Das wird vor deinen thron gebracht,
Da muß ich vor dir stehen.

5 Herr, meine seel erkennt dis wohl,
Daß du mich hast bereitet,
Und wie ein mensch gestalt seyn soll,
Aus mutterleib geleitet:
Durch deine vorsorg, fleisch und bein,
Und alle glieder an mir seyn:
Dein aug hat mich erwählet.
Da ich noch ungeboren war
Hast du schon stunden, tag und jahr
Im lebenslauf gezehlet.

6 Ich danke dir, und preise dich
Für solche grosse thaten,
Und daß du mir so wunderlich
An leib und seel gerathen.
Sehr köstlich ist dein werk an mir,
Wenn ich erwach, bin ich bey dir,
Und warte deiner gnaden.
Ich glaube vest, daß meine sünd
Durch Christum mir vergeben sind,
Daß sie mir nicht mehr schaden.

7 Den vorsatz gib mir, Herr, dabey,
Daß ich, was bös ist meide;
Der bösenrott fern von mir sey,
Von frommen mich nicht scheide;
Daß ich nur lieb, was dir gefällt,
Und hasse, was ist von der welt,
Auch ihren trotz nicht achte,
Halt dein gebot, hör' gern dein wort:
Im glauben und in hoffnung fort
Das ewige betrachte.

8 Erforsche mich, ergründ mein herz,
Durch suche mein gedanken,
Und stehe, ob ich hinterwärts
Und auf die seit woll wanken.
Bin ich vielleicht auf bösem weg,
So führ du mich den rechten steg,
Der nach dem himmel weise,
Daß ich vom sünden-dienste frey,
Und dir, o Herr, gefällig sey,
Bis ich von hinnen reise.

Text Information
First Line: Herr Gott, der du erforschest mich
Language: German
Publication Date: 1826
Topic: Von göttlicher Vorsorge und Regierung; Divine Providence and Government
Notes: Mel. Ein Lämmlein geht u.
Tune Information
(No tune information)



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