Ach, Seele, sollte dich erfreuen

Ach, Seele, sollte dich erfreuen

Author: Ulrich Bogislaus von Bonin
Published in 3 hymnals

Full Text

1 Ach! seele, solte dich erfreuen
Die schön, heit einer creatur,
Da du die segensvolle spur
Des holden Schöpfers, des getreuen,
Gefunden, und bereits erfahren,
Was dessen liebe geben kan?
Nein, ihr geschöpf', es geht nicht an
Ich kan mit euch mich nicht mehr paaren.

2 Du sonn, die du die welt beluechtest,
Und sie mit deinem strahl durchdringst;
Du himmel, der du regen bringst,
Und unser land mit thau beseuchtest;
Was habt ihr, das ich nicht geniesse
In dem, den meine seele liebt
Und dem mein herze sich ergibet?
Wa, das mir nicht aus ihm jestieffel?

3 Dis licht erwecket freud und wonnt,
Was finster ist, das mchat es licht,
Sein glanz erleuctet mein gesicht:
Er ist die wahre segens-sonne;
Der regen, der mein herz bentzet;
Und dessn dürre fruchthar macht;
Die morgen-röth, so mcih anlacht;
Der thau, so meine seel ergetzet.

4 Ihr auen und ihr grünen wiesen,
Ist gleich eu'r anblick noch so schön,
Doch muß mein herz viel höher gehn,
Und sich zu seiner lust erkiesen
Den schöpfer selbst, der ewig währet,
Und der zwar allhier gesangen liegt,
Doch letzt in seinen ursprung kehret.

5 Ihr schaafe, die ihr in dem grünen
Bey weid und bächlein euch ergetzt,
Und euch mit eurem hirten letzt,
Ihr könnt mir zwar zum vorbild dienen:
Doch dieses muß ich frey bekennen,
Nur eines ist mein trautes Lamm,
Das selbst aus liebe zu mir kam,
Nur einer ist mein hirt zu nenne.

6 Ihr vögel auf den grünen zweigen,
Besinget eures schöpfers ehr;
Doch geb ich euch nicht mehr gebör,
Wenn ihr mich wollt von dem abneigen,
Den sich mein herz hat auserlesen:
Ich selbsten bin ein täubelein,
Und fliehte in den felsen ein,
Wenn ich in sturm und not gewesen.

7 Ihr flüsse, ströme, bäum und wälder,
Und was in euch nur lebt und webt,
Die ihr den menschen nahrung gebt,
Du luts-revier der grünen felder!
Ihr müßt doch meinem liebste weichen,
Der nahrung, lust und schatten giebt,
Und sich so täg, als stündlich übt,
Zu mehren seiner liebe zeichen.

8 Du runder ball der weiten erden,
Du schön gezierts firmament,
Und was man creaturen nennt,
Ihr könnt mir zwar zum lehre werden,
Der mich zu meinem schöpfer leitet;
Ach! denk ich, seyd ihr hier so schön,
Wie muð der schönste nicht ausfehn,
Der euch gemacht und zubereitet?

9 Drum fahret fort, den hoch zu preisen,
Von dem ihr euren ursprung zieht,
Darneben seyd auch stets bemüht,
Zu meinem Bräut'gam hinzuweisen
Die menschen, die sich leicht vergaffen
In euer schönheit, die vergeht,
Und nur auf eine zeit bestebt:
Dis ists, was ihr hier sollet schaffen.

10 Mich aber lasset unbezwungen,
Ich hab was höher schon erkant;
Mein Freund wird weiß und roth genannt.
Zu ihm allein werd ich gedrungen,
Dem schönsten aus den menschen-kindern,
Der schon mein ganzes herz besitzt,
Und es mir seiner stamm erhitzt:
Nichts soll die liebe zu ihm mindern.
W



Source: Erbauliche Lieder-Sammlung: zum gottestdienstlichen Gebrauch in den Vereinigten Evangelische-Lutherischen Gemeinen in Pennsylvanien und den benachbarten Staaten (Die Achte verm. ... Aufl.) #169

Author: Ulrich Bogislaus von Bonin

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