Dein Will', o Gott sei meines Willens Will'

Dein Will', o Gott sei meines Willens Will'

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Representative Text

1 Dein Will, o Gott! sey meines Willens Will,
dein Gnaden-Rath sey meiner Wünsche Füll:
erfüll es nicht, o Gott!
wann, was der Seel nicht selig hier,
mein thöricht Fleisch begehrt von dir.

2 Du weiser Gott ! du weißt, was mir gebricht;
ich, was mir nützt, das weiß ich selber nicht,
und wünsche, was mir schad:
mein Sinn, was vor mir ist, vergißt;
wie sollt er seh'n, was künftig ist?

3 Was schreib ich viel dir meine Nothdurft für?
du weißt, was gut, und gibst es gerne mir,
du treues Vatter-Herz,
ach ! schenkst du uns doch unbegehrt,
hast ungebetne Bitt gewährt!

4 Du meynst es gut ; bös ist oft, was ich meyn,
es sey mir nutz, und richt so nach dem Schein,
was doch mein bittrer Schad:
ich seh ihn nicht, den siehest du,
und läßst, ob ich schon will, nicht zu.

5 Was ist, und war, und was noch werden wird,
dein weiser Rath schon in Gedanken führt,
eh's noch ist worden wahr:
der mich ohn mich aus nichts gemacht,
hat längst mein Gutes vorbedacht.

6 Der dieses Rund in seinen Armen hält,
der alle Haar auf meinem Haupt gezählt,
der alles weiß und kan,
sollt der mein Bestes wissen nicht,
noch geben können, was gebricht?

7 Er hasset nicht, was Er zur Welt gebracht,
und liebet stets, was seine Hand gemacht:
mein Lieben ist mir feind:
sein Lieben hat mein Heil zum Ziel;
das meine mich verderben will.

8 Zwar uns verklagt die Sünd vor deinem Thron,
die Bosheit heischt von dir auch bösen Lohn;
doch gehet Gnad für Recht:
dein Sohn die Schläg für uns aushielt,
durch Ihn bey dir Erbarmung gilt.

9 Wer lebet fromm, und liebt die rechte Bahn,
den siehest du mit Langmuths-Augen an,
wann er aus Schwachheit fällt.
Bald aber auch dein Zorn ergreift
den, der beharrlich Sünden häuft.

10 Mein Sinn ist blind, kennt deinen Willen nicht;
laß gehen auf in mir der Weisheit Licht,
HErr ! daß ich sehen mög.
wann du mich willig haben willt;
pflanz in mich deines Willens Bild!

11 Ich thue nicht das Gute, das ich will;
das ich nicht will, das Bös ich oft erfüll,
und kämpfe so mit mir:
O Gott! mach du das Gute fest,
und stoß das Bös aus seinem Nest.

12 Ich bitte dich, laß mich nichts bitten mehr,
auf daß es mich, ists böse, nicht verkehr:
ists gut, du wirst es mir
wohl schenken, auch ohn meine Bitt,
wann ich an dir nur zweifle nit.

13 Will ich was du, so willt du, was ich will:
willt du dann nicht, wer ist, der mir erfüll
dein Wollen sonder dich?
will ich nicht, so muß ich doch fort;
es muß gescheh'n dein Will und Wort.

14 Herr! wie du willt, so soll mein Wille seyn;
in Lieb und Leid bin ich und bleibe dein,
im Leben und im Tod,
in Schmach und Ehr, arm oder reich,
krank und gesund, gilt alles gleich.

15 Fahr hin, mein Will ! ihr Sorgen gute Nacht!
GOtt will mir wohl, für mich sorgt seine Macht,
der alles, alles kan.
Euch folg ich nicht, Höll, Fleisch und Welt!
des Himmels Will mir nur gefällt.

Davidisches Psalterspiel, 1775

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Davidisches Psalter-Spiel der Kinder Zions #d128

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